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>> die Wiener Linien - Linie 33 <<

hat(te zumindest heute mittag) einen sehr suprigen Straßenbahnfahrer.

An sich ist das ja nicht die übliche Zeit, in der ich mit der Straßenbahn unterwegs bin. Aber heute war ich´s und durfte Zeugin eines “schönen” Schauspiels werden.
Im Zug Richtung U Josefstädterstraße ist bei der Markthalle ein Obdachloser eingestiegen. Ziemlich b´soff´n und übel riechend. Er düfte ziemlich im Delir gewesen sein, weil er hat ziemlich laut und mit ziemlichen Kraftausdrücken vor sich hingeschimpft. Einige Fahrgäste sind natürlich aufgestanden und haben sich woanders hingesetzt (das übliche Verhalten halt), 2 haben versucht, ihn zu beruhigen.
Der Straßenbahnfahrer ist weitergefahren. Bis zur Station Ecke Sensengasse. Dann ist er zum Obdachlosen hin, hat ihn aufgefordert ruhig zu sein und dafür weiterfahren zu dürfen oder aber auszusteigen. Nach längerem Hin und Her hat ist dann Zweiteres passiert.
Der Straßenbahnfahrer im Vorbeigehen zu den Fahrgästen: “ich nehm´ ihn ja gern mit. Ist ja kalt draußen. Von mir aus kann er den ganzen Nachmittag mitfahren. Aber wenn er so laut herumschimpft - das geht nicht.”
Muss ich ehrlich sagen: das seh´ ich genauso. Und ich find´s gut, dass er seine Sicht auch allen anderen erzählt hat.
1 Station weiter dann noch eine andere, nette G´schicht: ein offensichtlich Nicht-Einheimischer (aber auch sicher kein Tourist!) verhandelt via Stadtplan (& nur mit “internationaler” Zeichensprache) wo er jetzt eigentlich aussteigen soll. Der Straßenbahnfahrer versucht ihm zu erklären, dass er schon 2 Stationen zu weit gefahren ist und wieder zurück muss. Der Typ bedankt sich und setzt sich wieder hin. Ergo: nix verstanden. Der Straßenbahnfahrer sieht das im Rückspiegel, steht auf und erklärt noch amal mit verdammt viel Zeichensprache, dass er jetzt wirklich aussteigen muss, über die Kreuzung, andere Straßenseite, usw. und mit einem anderen 33er oder 5er eben 2 Stationen zurückfahren muss.
Und das alles unheimlich cool und nett. Obwohl im Zug nicht wenige Leute drin waren und 2 ständig eher laut “bitte endlich weiterfahren” wollten.
Ich war echt sehr positiv überrascht.
Als ich dann ausgestiegen bin hab´ ich ihm das auch gesagt, weil soviel “positives Feedback” kriegen die wahrscheinlich nicht. Hat er sich dann auch bedankt und gemeint, dass “heute so ein unguter Tag ist, schon seit der Früh und er denkt sich, dass es ja nix bringt, wenn ma da ungut drauf reagiert, weil dann wird der Tag nicht besser und überhaupt tun ihm Obdachlose und Leute, die sich nicht in Wien auskennen leid”.
da war ich dann gleich noch amal mehr “begeistert”.
gibt es also doch noch ganz normale, anständige Leute. Ab und an…

von wickie am 14.01.2010 um 03:28 pm | 102 x gelesen

wickie's avatar

Was ihr schon dazu gesagt habt:

gut, dass du es ihm gesagt hast! sicher net unwichtig, wei wenn sich nur die äußern, die “bitte endlich weiterfahren” wollen, ist er künftig wieder so wie seine kollegInnen.

auch ne straßenbahngeschichte von gestern: 46er sagt nach einer station durch, dass er wegen einer demo nicht weiterfährt und josefstädter str. kurzgeführt wird. natürlich die üblichen reaktionen: “deppert demonstrieren! jetzt reichts aber mal!”
da sagt eine frau zu dem suderer: “bitte, das sind die sozialarbeiter und pfleger! das ist urwichtig, dass die sich melden, die arbeiten für sowenig geld. und wenn man sich nicht meldet, dann passiert nie was!”
daraufhin suderer: “ui, das hab ich ja nicht gewusst, na dann isses eh wichtig...”

köstlitsch!

von kaash  am  15.01.2010  um  02:24 pm

sehr köstlitsch! das is ja dann quasi alltags-kommunikations-politik.
oder so.
oder wie oder was.

von  am  15.01.2010  um  02:39 pm

{author}'s avatar
hat mir gut gefallen. weils die berühmte österreichische seele zeigt. zerst amal sudern, aber net wissen, worüber. und dann eigentlich eh dafür sein… wink

von kaash  am  15.01.2010  um  02:47 pm

exakt genau. ich bin da ja auch sehr ambivalent. so sehr ich das “österreichische” oft mag - vor allem, wenn ich mal nicht da bin, so sehr geht´s mir grad was dieses dauer-raunzen & dagegen-sein betrifft am nerv.

von  am  15.01.2010  um  03:48 pm

{author}'s avatar
super Bimfahrer!

ich glaube, es wird immer wichtiger, dass man in der öffentlichkeit auf nette weise zu seiner meinung steht und diese auch klar artikuliert - damit die raunzer nicht zum mainstream werden ...

denn das werden sie ja nur, weil alle anderen den mund halten, oder?

von xing  am  19.01.2010  um  01:35 am

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yes, we can change this world - together.

exakt genau! seh ich auch so!

von  am  19.01.2010  um  09:52 am

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da muss ich nämlich selber schon noch fleißig üben, weil ich manchmal einfach zu faul, zu feige oder schlicht zu langsam bin, um im richtigen moment angemessen zu reagieren.

aber übung macht den meister wink

von  am  22.01.2010  um  02:04 pm

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