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Von Partnerschaften, die gar nicht glücklich machen können - oder doch?

Vier Menschen, drei FreundInnen, zwei Beziehungen: Das erste Paar ist wohl glücklich, warum sonst ziehen sich die beiden zurück und sie (weil nur sie mit uns befreundet) lässt sich im Freundeskreis so gut wie gar nicht mehr blicken? Ihr Problem - von Außen gesehen: Er ist Alkoholiker. Geht schwarz arbeiten, aber immerhin, das war nicht immer so - das mit dem Arbeiten. Es gab schon Zeiten, da lebte er auf ihre Kosten. Ob das immer noch so ist, weiß man nicht, sie lässt sich ja nicht mehr blicken.

Das zweite Paar ist nur am Streiten. Sieht so aus, als ob sie nicht wirklich zusammenpassen, beflegeln sich, zipfen sich an. Wenn er schon mal gut drauf ist, dann hält sie das nur kurz aus, dann wird sie zickig. Warum das so ist, weiß sie nicht. Nicht einmal fährt sie mitten in der Nacht heim von ihm, weil sie streiten. Sicherheitshalber schaut sie sich auch intensiv am Männer-Markt um. Doch kaum hat sie einen Netten gefunden, meldet sich der andere, und sie fährt zu ihm. O-Ton: “Wenn er sagt spring, frag ich wie hoch”. Komisch von einer Frau zu hören, die sonst eigentlich ziemlich tough ist.

In der heutigen Krone hat sich Gerti Senger dem Thema angenommen. Sie bezeichnet derartige Verbindungen als Schreckensbeziehungen. Die zweite würde ich auch so bezeichnen, bei der ersten weiß ich ja nicht, wie die Beziehung zwischen den beiden tatsächlich ist. Jedenfalls geht Senger davon aus, dass es nicht der Sex ist, der sie aneinander fesselt. Zwar logisch, aber unwahrscheinlich. Okay. Hätte ja sein können. Die Sexpertin geht von einen anderen Hintergrund aus: “die Zuflucht beim Schrecklichen: Was Angst mache, kann anziehend werden. In Schreckenssituationen ragieren Tiere und Menschen mit einem Kampf- oder Fluchtimpuls. Wer sich stark genug fühlt, kämpft zuerst einmal. Geht sich ein Kampf nicht aus, heißt es flüchten Aber der Mensch ist ein ‘Den-Tier’ mit einem straken Drang nach Sinngebung. So kommt es, dass seine gemarterten Nerven den Schrecken, vor dem man eigentlich davon rennen sollte, als etwas Positives, Schützendes. Stärkendes interpretieren: “Er schützt mich.” “Ohne sie bin ich nicht so kreativ.” Anstatt zu flüchten, wird beim Schrecken Zuflucht gesucht. Urvölker veehrten das, was sie schreckte, als heilig. Auch in dem Wort Ehrfurcht ist die Furcht vor dem Verehrten aufzuspüren. In der modernen Psychologie ist dieses Phänomen als ‘Stockholm-Syndrom’ bekannt: Entführungsopfer sympathisieren oft mit den Tätern, manchmal verlieben sie sich sogar in ihre Peiniger.....”

Okay, gequält werden die beiden Mädels nicht. Zumindest körperlich nicht. Und Angst gibt es in beiden Bezirhungen nicht. Das zweite Paar schenkt sich gegenseitig nichts, die üben zu gleichen Teilen eine Art Psycho-Terror aus. Beim ersten Paar dachte ich ja eher an Co-Abhängigkeit. Aber vermutlich wird man das nie so genau sagen können, was die Vier wohl so zusammenhängt. Und verstehen werde ich zumindest drei davon auch nie (mit dem Alkoholiker habe ich keinen Kontakt). Warum tut man sich sowas bloß an? Ist das Leben nicht viel zu kurz, um sich so viel Stress anzutun?

von kadooshRedaktion am 07.02.2010 um 05:52 pm | 59 x gelesen

kadooshRedaktion's avatar

kadoosh - Subjektiv wie immer!

Was ihr schon dazu gesagt habt:

ich glaube, man ist da gefangen in irgendwelchen destruktiven mustern. und solange man die nicht aktiv auflöst/verändert, solange tut man sich sowas an ... ist fremdbestimmt sozusagen.

und solange der leidensdruck nicht groß genug ist, zieht man den status quo einer schreckensbeziehung einer anstrengenden veränderung vor ...

von  am  07.02.2010  um  07:40 pm

Aber wieso will jemand leiden? Und warum soll eine Veränderung anstrengend sein. Ich würde es vermutlich anstrengender finden, mich in einer Beziehung aufzureiben.

von kirsche  am  07.02.2010  um  08:58 pm

"warum will jemand leiden?”, das hab ich auch nie verstanden, wenn ich anderen leuten zugeschaut hab. aber in wahrheit ist man selber nicht besser. es ist eine art, die realität nicht anzunehmen, sich der wahrheit nicht zu stellen. glaub ich.

von kaash  am  08.02.2010  um  03:16 pm

Naja, ich hab eine Freundin, die leidet schon unter ihrer Beziehungssituation. Sie weiß aber nicht, warum sie nicht geht.

von kirsche  am  08.02.2010  um  04:17 pm

ich glaube, dass man es von klein auf so gewohnt ist und noch nicht bemerkt hat, dass man mittlerweile erwachsen und handlungsfähig ist und sein Leben selber in der Hand hat. Das spielt sich natürlich im Unbewussten ab, deshalb funktioniert das Spiel ja auch ...
ja, die Realität nicht sehen wollen/können ist auch ein Teil von dem ganzen ...

von  am  08.02.2010  um  04:36 pm

Wenn das aber die erste Beziehung ist, die so läuft?

von kirsche  am  08.02.2010  um  11:36 pm

Alterstollerei tongue wink

von  am  08.02.2010  um  11:38 pm

da spielt vermutlich viel zam. Dr.in Sommer, ihre diagnose??? wink

von kaash  am  09.02.2010  um  11:14 am

War’s nicht Winter? grin

von kirsche  am  11.02.2010  um  04:28 pm

also was das mit dem stockholm-syndrom zu tun haben soll??? kann ich nicht ganz nachvollziehen.
persönlicher ratschlag an beide damen: weg von den männern & neue, die ihnen GUT tun suchen/finden.

von  am  14.02.2010  um  04:48 pm

{author}'s avatar
natürlich “winter”, sehr gut aufgepasst!
nun zu den beziehungskisten:
bei fall 1 erscheint mir die “co-abhängigkeit” recht ausgeprägt. bevor man sich mit einem alkoholiker zeigt bleibt man lieber zu hause. das ist auf dauer kein guter zustand.
ergo: entzug (des mannes vom alk & der freundin vom mann) dringend empfohlen.
bei fall 2 schaut´s mir schwieriger aus: dieser hop-on/hop-off-zustand dürfte irgendwas sinnvolles haben. vielleicht einfach nur, dass sie DEN (den mann) mit all seinen macken schon kennt & sich daher nicht wirklich auf jemand neuen einlassen muss. vorläufige diagnose also: bequemlichkeit.

von  am  14.02.2010  um  04:54 pm

{author}'s avatar

ich kann euch versprechen: alles, wirklich alles, ist lösbar. wenn man nur die richtige(n) diagnose(n) kennt…
ich freue mich auf eure zahlreichen fragen an

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